TwoBikes|Oneway@Radio RPR1

Im August waren wir in Koblenz beim Radiosender RPR1 um einen Beitrag für die Sendung “Mein Abenteuer” mit Reiner Meutsch aufzuzeichnen. Abgesehen davon dass wir beide noch nie zuvor im schönen Koblenz waren, war auch das Interview selbst sehr kurzweilig. Reiner war ein interessanter Gesprächspartner, der selbst schon in allen möglichen Ecken der Welt unterwegs war. Den Mitschnitt zur Sendung, die am 13.10. ausgestrahlt wurde gibts hier:

RPR1 13.10.13

Ein Blick zurück

Heute vor einem Jahr waren wir bereits wieder auf dem Weg zurück nach Kroatien. Wir hatten unsere Reise für ein paar Tage unterbrochen und waren zurück nach Deutschland geflogen. Martina, Heikes beste Freundin hatte geheiratet – mittlerweile hat sie eine kleine Tochter :-) Kaum zu glauben dass das alles schon solange her ist und man nun von der Erinnerung an ein großes gemeistertes Projekt zehrt.

Was ist seit unserer Rückkehr passiert? Ein kurzer Überblick:

- Heike arbeitet seit dem 01.04. als Assistenzärztin in einem großen Krankenhaus in Stuttgart. Der Vermerk “Weltumrundung mit dem Motorrad” in ihrer Bewerbung stieß auf besonderes Interesse  8-)

- Die Frühlingssonne treibt mich in die Werkstatt um endlich die letzten Wartungsarbeiten an meiner Maschine abzuschließen. Heikes Motorrad ist fertig und fahrbereit – im neuen Gewand (die “Dicke” ist jetzt silber). Läuft wie am ersten Tag und wartet geduldig auf die erste Ausfahrt. An meiner Maschine ist mehr zu tun – das aktuelle Projekt ist das leidige Thema Lenkkopflager. Unser treuer Kommentator Frank leistet mir gelegentlich Gesellschaft beim Schrauben. Auf der nächsten Reise kann ich das Motorrad fast blind zerlegen.

IMAG0171- Noch im Dezember letzten Jahres besuchte uns der Ire Dave, den wir in Russland kennengelernt hatten. Er war auf dem Rückweg aus der Mongolei und wollte zu Weihnachten wieder bei seiner Familie sein. Er kam als Eisklotz mit mongolischen Reiterstiefeln bei uns an und blieb mehrere Tage bevor er weiter durch die Kälte zog.

SONY DSC- Ende April war unser Freund aus Kirgistan zu Besuch. Talant war der erste, der uns nach dem Unfall in Tadschikistan zu Hilfe kam und Heike in seinem Geländewagen mitnahm. Hier in Deutschland kaufte er mehrere Gebrauchtwagen, die er mit Hilfe eines LKW auf dem Landweg nach Kirgistan brachte. Es war ein schönes Wiedersehen!

IMG_3687- Twobikes|Oneway bekommt ein wenig mediale Aufmerksamkeit. Neben einem Interview bei Radio NRJ ist ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung erschienen. Im August wird es eine kleine Interviewreihe auf dem Radiosender RPR geben und Artikel für diverse Zeitschriften sind in Arbeit.

- Der Vortrag zu unserer Tour ist ebenfalls “in-progress” – insgesamt wollen über 56 Gigabyte oder mehr als 12.000 Bilder gesichtet werden und mit kreativen Ideen zu einer spannenden Präsentation verarbeitet werden. Sobald ein Ende in Sicht ist werden an dieser Stelle Termine bekannt gegeben.

Die Superlative der Tour

Die 3 schäbigsten Absteigen:

  • Hotel “Turist” in Kirgistan (zw. Osh und Bishkek): ein widerlicher Sovjetbunker mitten im Nichts. Spuren vorheriger Gäste im Zimmer, triefende, modrige Wasserleitungen, 3 Betten im Zimmer die auch bezahlt werden mussten –> Zelten wäre die bessere Alternative gewesen.
  • Kajüte in der Fähre nach Turkmenistan: ein Erlebnis für sich. Stickig, heiß und dreckig. Hatte ein bisschen was von Gefängnis – die Reisepässe wurden eingezogen und wir fuhren mit einem flauen Gefühl im Magen in ein Land, das für seine Isolation und Menschenrechtsverletzungen bekannt ist.
  • Hotel “Gold” in Samsun, Türkei: ein Geruchserlebnis. Verraucht bis in die letzten Fugen. Selbst frisch gewaschene Bettwäsche roch bereits nach Rauch da sie in der Lobby von einem rauchenden Mitarbeiter zusammengelegt wurde.

Die 5 schönsten Städte:

  • Buchara, Usbekistan
  • Dubrovnik, Kroatien
  • Vancouver, Kanada
  • Istanbul, Türkei
  • Tomsk, Russland

Die 3 hässlichsten Städte:

  • Ulan Bator, Mongolei
  • Zima, Sibirien, Russland
  • Thessaloniki, Griechenland

Orte mit dem schlimmsten Verkehr:

  • Ulan Bator, Mongolei
  • Albanien
  • Istanbul, Türkei

Die 5 schönsten Landschaften:

  • Grenzregion Kirgistan/Tadschikistan, Pamirgebirge
  • Baikalsee, Russland
  • British Columbia, Kanada
  • Kaukasus, Georgien
  • Mongolei

Die 3 schwierigsten Grenzübergänge

  • Einreise nach Turkmenistan: 5 Stunden, 24 Formulare, 10 Büros – erinnerte uns stark an den Asterix Film mit dem Passierschein A38
  • Ausreise aus Usbekistan: Komischerweise interessierte sich bei der Einreise ins Land niemand so genau für das was wir dabeihatten. Der usbekische Idefix Zollhund wollte einfach nicht mehr aus unseren Packtaschen heraus. Dazu die willkürlichen Zöllner 45 Grad Hitze und eine Menge vergeudeter Zeit.
  • Einreise nach Kasachstan: völlig unorganisiert und willkürlicher Übergang. Vorallem die Einheimischen wurden dort wie Dreck behandelt. Der Zöllner wurde mit einem billigen Feuerzeug geschmiert um die Prozedur zu verkürzen.

Länder mit den schlechtesten Straßen

  • Tadschikistan
  • Turkmenistan
  • Usbekistan

Die 3 nützlichsten Dinge im Gepäck:

  • Babyfeuchttücher (eine Million Anwendungsfälle)
  • E-Book Reader (Kindle & Co.)
  • Outdoorklorollenhalter :-) (nicht oft benutzt aber wenn dann unverzichtbar)

Die 3 unnötigsten Dinge im Gepäck:

  • Wasserfilter (Wasser in Flaschen gibt es wirklich überall)
  • Hut mit Moskitonetz
  • Kaffeefilter als Vorfilter für Benzin

Die verrücktesten Abenteurer entlang des Weges:

  • Jeffrey aus Indonesien: Bereits seit 6 Jahren unterwegs. Hat eine Frau und 6 Kinder zu Hause. Wir haben ihn in Ulan Bator und nochmals in Vancouver getroffen.
  • Dave aus Irland: Mit einer Suzuki VanVan und 125 Kubik unterwegs. Er zeigte was es heisst “´Low Budget” unterwegs zu sein. Wir haben ihn in Ulan Bator getroffen. 4 Monate später hat er uns auf seinem Rückweg in Deutschland besucht.
  • Linda & Harry aus Südafrika: Wir haben sie in Baku und nochmals in Osh getroffen. Ihre letzte Tour führte sie von Südafrika nach Deutschland. Dieses Mal gings von Deutschland nach Ulan Bator.

Magic Moments:

  • Mit den Motorrädern den Bosporus überqueren – die Grenze von Europa nach Asien überschreiten
  • Ankunft im Oasis in Ulan Bator – das Ende des harten Abenteuerteils der Tour
  • Wiedersehen mit den Lieben in Vancouver und New York
  • Überqueren der Verrazano Narrows Bridge – Ankunft in New York

Twobikes|Oneway – Die Tour in Zahlen

Distanz und Zeit:

26.408 gefahrene Kilometer aufgeteilt auf 20 Länder:

Deutschland 533
Österreich 612
Slowenien 533
Kroatien 859
Bosnien 4
Montenegro 160
Albanien 373
Griechenland 911
Türkei 2258
Georgien 850
Aserbaidschan 460
Turkmenistan 1404
Usbekistan 678
Tadschikistan 1703
Kirgistan 759
Kasachstan 1542
Russland 3512
Mongolei 352
Kanada 2792
USA 6113
  • Tage auf Reise: 209 – davon 80 auf dem Motorrad
  • längste Etappe: 677 km (Turkmenistan)

Benzin

  • Durchschnittsverbrauch: ca. 3,5l/100km
  • Menge an verbrauchtem Benzin: ca. 1850l
  • Spritpreise pro l außerhalb Europas:
    • Türkei: 2,10 €
    • Georgien: 1,05 €
    • Aserbaidschan: 0,85 €
    • Turkmenistan: 0,22 €
    • Usbekistan: 0,75 €
    • Tadschikistan: 1,0 €
    • Kirgistan: 0,80 €
    • Kasachstan: 0,73 €
    • Russland: 0,60 €
    • Mongolei: 1,09 €
    • Kanada: 1,00 €
    • USA: 0,80 €

Motorräder

  • Reifenwechsel:
    • hinten: nach 13 985 km mit ca. 35% Restprofil
    • vorne: kein Reifenwechsel. Restprofil in New York: Moritz: 10%, Heike: 30%
durchgeführte Reparaturen/Wartungen:
  • 1x Lüfter v. Wasserkühlung ausgetauscht
  • 1x Reparatur Dichtung Wasserpumpe
  • Lenkkopflager: Heike 2x gewechselt, Moritz 1x
  • Je Maschine 1x Ventilspiel eingestellt
  • Je Maschine 2x Ölwechsel
  • Luftfilter 1x gewechselt/3x gereinigt
  • 1x Reparatur Platter Reifen
  • 2x Schweißen gebrochene Auspuffbefestigung Heike, beim 3. Mal ersetzt.
  • 1x Veränderung Fußrastenbefestigung wg. Berührung mit Krümmer
  • 3x Stabilisierung gebrochener Kühlerschutz
  • 1x Reparatur Halterung v. Zusatzscheinwerfer nach Unfall
  • 1x Ersatz von verlorener Kofferhalterbefestigung (Spezialanfertigung von “Touratech Kirgistan”)
  • Befestigung bzw. Ersatz mehrerer losgerüttelter Schrauben
  • mehrmals Kühlflüssigkeit aufgefüllt (Heike)
  • provisorische Reparatur der losgerüttelten Scheinwerferhalterung (Moritz)

Familienzusammenführung

Zunächst wünschen wir allen treuen Lesern unseres Blogs ein Gutes Neues Jahr 2013. Mögen all eure Reiseträume in Erfüllung gehen!

Wir haben am Wochenende einen Roadtrip quer durch Deutschland gemacht denn kurz vor Weihnachten kam die Nachricht dass unsere Motorräder in der ersten Jahreswoche zur Abholung bereit stünden. So kam das liebevoll hergerichtete Motorradhängerchen meines Vaters zu seinem ersten Einsatz den es mit Bravour bestanden hat. Die Abholung verlief völlig unproblematisch und nun stehen die beiden “Dicken” wieder in der heimischen Werkstatt wo sie bereits auf die große Tour vorbereitet wurden. Die nächsten Wochen werden sie zu großen Teilen zerlegt und gewartet werden um wieder fit für den Sommer zu sein.

Die nächsten Tage folgt noch die finale Statistik mit Zahlen und Daten über die Tour. Eines vorab: Die Anzahl der gefahreren Kilometer betragt: 26.408 km   8-)

Die ersten Wochen in der Heimat

Seit unserer Ankunft in Deutschland sind ca. 3 Wochen vergangen. Die erste Zeit war mit eingewöhnen und wieder “in den Rhythmus finden” ausgefüllt. Es hat unheimlich gut getan vertrautes um sich zu haben: vertraute Menschen, vertraute Gegend, vertrautes Essen. Für mich standen schon in den ersten Tagen Arzttermine auf dem Programm. Meine Vorstellung, dass sich meine Probleme mit Krankengymnastik in den Griff bekommen lassen wurde gleich beim ersten Arzt zunichte gemacht. Es fiel das Wort OP, es folgten weitere Vorstellungen bei verschiedenen Ärzten. Die OP wäre ein ziemlich heftiger Eingriff und ich war enorm erleichtert, als die Spezialisten letzten Endes von einer OP abgeraten haben. Auch der Kardiologe hat grünes Licht gegeben, ein neu aufgetretenes Herzgeräusch sei nicht besorgniserregend. Mit Krankengymnastik und manueller Therapie versuche ich nun die Überbleibsel des Unfalls zu beseitigen, auch wenn die Physiotherapeutin meinte, ich wäre eine Haltungs-Katastrophe und nicht glauben konnte, dass ich jemals aufrecht gegangen bin :-)

Natürlich haben wir auch noch was anderes gemacht außer Ärzte besucht. Fleißig haben wir in Oberaichen die möblierte Wohnung ausgeräumt und hergerichtet. Die Männer vom Entsorgungshof haben schon gegrinst, wenn wir an einem Tag zweimal mit Müll und alten Möbeln vorbeikamen. Mittlerweile haben wir es uns in der Wohnung gemütlich gemacht und haben sie nach unseren Vorstellung umgestaltet. Auch wenn wir auf der Reise tolle Matten zum Schlafen hatten – mit dem eigenen Bett können sie einfach nicht mithalten. Ich genieße es in vollen Zügen morgens einen Kleiderschrank statt eines Koffers zu öffnen und mehr als die gewohnten 5 T-Shirts (von denen es übrigens nur noch 2 wieder nach Deutschland geschafft haben) zur Auswahl zu haben. Auch die Vorteile eines Kühlschranks nimmt man ganz bewusst wahr. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mir denke: eine Spülmaschine wäre schon schön. Und im gleichen Augenblick muss ich grinsen, weil wir momentan so viel mehr haben, als die letzten Monate. Und das fühlt sich gut an.

Moritz steckt mitten im Bewerbungsmarathon. Nachdem er ein paar Bewerbungen geschrieben hat, folgt kommende Woche schon das erste Gespräch. Auch ich schaue nach Stellen und wir sind gespannt, wie sich alles entwickelt und wo wir landen werden.

Die Motorräder werden diese Woche nun endlich verschifft und sollen voraussichtlich am 20.12. in Bremerhaven ankommen. Wie lange es anschließend dauert bis wir sie abholen können wird sich zeigen. Durch die Feiertage kann es sein, dass es sich noch ein wenig verzögert.

Die versprochenen Zahlen, Statistiken werden wir ganz sicher noch veröffentlichen, in letzter Zeit hatten wir einfach andere Prioritäten gesetzt. Es lohnt sich also auch in Zukunft hier vorbeizuschauen :-)

Angekommen

Wir sind wieder in Deutschland! Am Flughafen erwartete uns ein großes Empfangskomitee bestehend aus unseren Eltern, Heikes Bruder und Oma. Allein für die vielen freudigen Gesichter und das urschwäbische Willkommensessen von Heikes Mum (Maultaschen mit Kartoffelsalat) hat es sich schon gelohnt wieder zu kommen :-)

Die kommenden Wochen werden wir uns hier erst wieder orientieren und einleben müssen. Die Jobsuche steht an, sowie unzählige Arzttermine für Heike um ihr Brustbein/Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen. Die erstellte Excel ToDo Liste wächst jeden Tag mehr als sie abgearbeitet werden kann.

Da der aktive Teil der Reise nun vorbei ist, ist es auch an der Zeit DANKE zu sagen. Unser Dank gilt insbesondere den vielen wunderbaren Menschen, die uns entlang des Weges unterstützt haben. Allen voran den Menschen in Tadschikistan, die trotz ihrer begrenzten Mittel alles dafür getan haben uns nach dem Unfall zu helfen. Ebenso danken wir den treuen Leuten die unser Abenteuer online verfolgt und kommentiert haben. Wir hätten nie gedacht dass die Website auf eine solch gewaltige Resonanz stößt. An manchen Tagen war es unglaublich aufbauend eure Kommentare zu lesen. Wir sind außerdem auch sehr interessiert die heimlichen Superstars Pfleiderer und Häberle kennenzulernen, deren Schreibstil doch gewaltig an den von “se ankl” erinnert :-)

Was wird nun mit twobikesoneway.de geschehen? Die Website bleibt selbstverständlich online und wird in den kommenden Wochen noch einige Updates erhalten. Dazu gehören natürlich Bilder wie auch die finale Statistik. Es wird unter Anderem noch detaillierte Länderinformationen, Reviews über unsere Ausrüstung und Tipps für Leute geben, die ein ähnliches Projekt planen. Wir wissen noch nicht genau in welchem Maß wir die Reise aufarbeiten und präsentieren werden (vielleicht schaffen wirs in die EOFT :-) ), ihr werdet aber hier auf dem Laufenden gehalten.

Mit anderen Worten: Es lohnt sich also immer mal wieder vorbeizuschauen!

Verschifft

Nun sind wir ohne unsere fahrbaren Untersätze  :cry:

Wir sind heute mit Charlys Pick-Up (den ich nächstes Mal mit in den Container stecke) nach New Jersey gefahren und haben die Motorräder an die Spedition übergeben. Auf dem Gelände standen haufenweise wunderschöne alte amerikanische Autos. Teilweise halb verfallen, teilweise in sehr gutem Zustand. Alle stehen dort zur Verschiffung nach Europa.

Die ganze Prozedur ging so einfach dass wir uns wirklich gewundert haben ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Wir sind einfach zu zentralasiengeschädigt und warten immer darauf, dass man uns nach einem Dokument fragt das wir nicht besitzen.

Wir haben jetzt noch zwei Tage bevor wir uns am Sonntag Abend in einen riesigen Airbus A380 8-)  setzen und Richtung Heimat fliegen.

update

Es gibt verschiedene Dinge, über die wir euch auf den neusten Stand bringen möchten. Daher wird dieser Eintrag etwas länger…

Zuhal: Mit Zuhal stehen wir in regelmäßigem E-Mail Kontakt. Dank Eurer Spenden konnten wir knapp 2000€ für Zuhal sammeln. Sie hat das Geld bekommen und hat eine E-Mail voller Dank geschrieben, sie war gleichermaßen gerührt und verblüfft, dass Menschen ihr helfen die sie nicht mal kennen. Dank des Geldes kann sie ihre Probleme auf einer ganz anderen Grundlage angehen, sie muss sich nicht auf das “pure Überleben” im Winter konzentrieren. Allen sei an dieser Stelle auch von uns ein herzliches Dankeschön ausgesprochen, Eure Hilfsbereitschaft hat uns sehr bewegt. Die Situation in Khorog hat sich etwas beruhigt, leider fürchten die Menschen dort eine weitere militärische Operation. Zuhal und all die anderen können auf-, jedoch noch nicht durchatmen.

Benzin: Vor 10 Tagen hat Sandy die Ostküste umgewühlt und die Auswirkungen sind immer noch zu spüren. Viele Häuser sind immer noch ohne Strom, viele Straßen sind noch durch umgestürzte Bäume versperrt. Das alles ist Teil des Benzinproblems. Viele Tankstellen die Benzin haben, haben keinen Strom. Tankstellen die Strom haben, haben sehr bald kein Benzin mehr, weil sie überrannt werden. Nicht nur Autos werden getankt, es gibt extra Zapfsäulen für “Fußgänger”, die Kanister füllen um ihre Generatoren zu Hause am Laufen zu halten. Die Warteschlangen wachsen auf eine Länge von Meilen an. Charly hat sich auf 3 Uhr nachts den Wecker gestellt um an die Tankstelle zu fahren und hat selbst zu dieser Uhrzeit immer noch über eine Stunde gewartet. Tagsüber sind Wartezeiten von 3 Stunden völlig normal. In solchen Extremsituationen können Menschen leicht durchdrehen. Von einer Freundin wurde berichtet, dass sie in der Schlange wartete und zusätzlich zu der Warteschlange für Benzin gab es noch eine für Kaffee. Eine Person wollte die Benzin-Warteschlange kreuzen um sich für Kaffee anzustellen. Da rastet ein Mann, der die Lage missverstanden hat völlig aus, dachte es drängelt sich jemand vor und zieht seine Pistole. Zum Glück konnte alles geklärt werden, niemand wollte sich vordrängeln, nur warmen Kaffee holen um weiter zu warten. Die Situationen drohen wirklich zu eskalieren. Wenn eine Tankstellte kein Benzin mehr hat muss die Polizei kommen um diese Info an die Wartenden weiterzugeben. Durch den neuen Schneestorm hat sich die Situation sicher nicht entpsannt, noch haben wir keine Tankstelle gesehen. Wir sind gespannt.

Wetter: Am Dienstag haben wir die wenigen Sonnenstunden, die Manhattan zur Zeit abbekommt im Central Park genossen. Es war mit ca. 5°C zwar sehr kalt, aber der Blick auf die Skyline bei strahlend blauem Himmel lässt die Kälte vergessen. Wie schon erwähnt folgte auf Sandy nun ein Schneesturm. Innerhalb von ein paar Stunden hat es ca. 10cm Schnee gegeben. Dies ist auch der Grund warum der Zug, der nach Long Island fährt (Long Island Rail Road) am Donnerstag Abend außer Betrieb war. Wir hatten mal wieder Glück. Wir sind mit dem letzten Zug, der Manhattan verlassen hat mitgefahren. Zwar hat der Zug zwischendurch 45 Minuten Pause machen müssen, weil die Strecke nicht passierbar war, aber wir sind angekommen. Viele Haushalte sind seit Sandy ohne Strom und müssen nun die kalten Tage ohne Heizung verbringen. Einigen wurde gesagt, dass sie erst um Thanksgiving, d.h. 22.11. wieder Strom haben werden. Und als ob Hurricane und Schneesturm nicht schon genung sind sind fürs Wochenende Temperaturen von ca. 20°C angesagt. Verrückt!

Motorräder: Am Montag sind wir gemeinsam mit Charly und seinem Flaggschiff (Honda Valkyrie) an den Montauk Point, den östlichsten Punkt von Long Island gefahren. Von dort haben wir Europa schon fast am Horizont erkennen können :-) Nun gilt es die beiden Motorräder zum Lagerhaus der Spedition nach New Jersey zu bringen. Da die Straßen noch sehr verschneit sind werden sie diese Reise auf einem Hänger antreten. Charlys Pickup wird sich schon durch den Schnee pflügen.

 

 

Die letzte Meile

Sandy ist abgezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Umgefallene Bäume haben Häuser, Garagen, Autos und Vorgärten begraben und die Gebiete direkt am Wasser  wurden größten Teils überflutet. Man sieht deshalb auch häufig Boote mitten auf der Straße oder andere angespülte Gegenstände an Orten wo sie definitiv nicht hingehören. Wir haben auf Long Island vier Tage lang das Leben der Amischen gelebt. Da die Haushalte hier voll auf Elektrizität ausgelegt sind (Heizung etc.), die elektrische Infrastruktur aber Größtenteils aus Oberleitungen besteht sind entsprechend viele Menschen völlig abgeschnitten gewesen. Nach und nach kommt der Strom zurück und immer mehr Geschäfte öffnen wieder. Manche Gebiete sehen allerdings immer noch wie Kriegsgebiete aus und vor allem an den Tankstellen sieht man endlos lange Schlangen.

Uns gehts jedoch gut – wir hatten zum Glück einen Gasherd und einen kleinen Generator sodass immer für warmes Essen und etwas Licht gesorgt war. Jeder setzt ganz eigene Prioritäten für was der wenige zur Verfügung stehende Strom des Generators genutzt werden sollte. Die Kinder wollten natürlich den Fernseher zum Laufen bringen (nicht wissend dass zum Fernsehen auch ein Kabelanschluss benötigt wird) während die Erwachsenen eher ihr Bier kühlen wollten. Das tolle an solch einem Sturm ist dass er das soziale Leben extrem fördert. Jeder hilft wo er kann und bei der Family in Long Island war stets volles Haus. Der Beifall war entsprechend groß als gestern Abend die Lichter wieder angingen.

Gestern sind wir auch die letzte Meile unserer Reise gefahren und haben die Bikes von Reading bei Philadelphia nach Long Island gebracht (wir hatten sie wegen des Sturms zunächst dort gelassen und sind zusammen mit Heikes Eltern im Mietauto nach New York gefahren). Mit gemischen Gefühlen sattelten wir das letzte Mal die Taschen aufs Motorrad und fuhren die ca. 270 km nach Long Island. Spektakulär war die Fahrt über die Verrazano Narrows Bridge, die die beiden Stadtteile Staten Island und Queens verbindet. Zu unserer Linken lag die beeindruckende Skyline von Manhattan und zur Rechten öffnete sich die Bucht Richtung Atlantik. Jetzt trennt uns nur noch ein Ozean von daheim.

Die letzte Woche werden wir damit verbringen die Motorräder für die Verschiffung vorzubereiten, noch etwas Einkaufen zu gehen und uns Teile von New York anzuschauen, die wir noch nicht kennen. Wir freuen uns darauf bald wieder deutschen Boden zu betreten.