Flucht nach vorn

Zwei neue Artikel – also am Besten zuerst den unteren lesen 😉

Wir sind in Kirgistan! Die Ausreise aus Tadschikistan gestaltete sich zwar nicht völlig frei von Problemen, aber trotzdem wesentlich einfacher als gedacht. Gedanklich auf das Schlimmste (die 1400 km/4-tägige Rückreise nach Dushanbe) vorbereitet erreichten wir gegen 15:30 Uhr den Grenzposten auf ca. 4200m Höhe. Dort fanden wir eine Schranke und nicht viel mehr als ein paar Baracken mit Soldaten vor. Ein paar polnische Motorradfahrer waren auch da – sie konnten nach kurzer Zeit passieren, was uns etwas Hoffnung machte. Die Deutsche Botschaft hatten uns gegenüber erwähnt, dass der Grenzübergang für Ausländer eigentlich nicht passierbar sei (komisch, dass da täglich mindestens eine Hand voll Ausländer drüber kommen). Nun waren wir an der Reihe – ich ging mit unserem Fahrer in die kleine Blechhütte, in der die Betten von vier Soldaten, ein Holzofen und ein kleiner Schreibtisch standen. Dahinter ein etwas grimmiger Beamte im Jogginganzug, den unser Fahrer Ergash aber mit einer freundlichen Umarmung begrüßte. Nach ein paar Erklärungen empfahl Ergash mir ihm etwas „Kleingeld“ zu überlassen. Obwohl das eigentlich gegen unsere Prinzipien ist, war es mir in diesem Fall egal und ich gab ihm unsere restlichen Somoni – 24 an der Zahl, was etwa 4 Euro entspricht. Die Schranke ging auf und es ging 50m weiter zur nächsten und wichtigen Schranke – die der Einwanderungspolizei, wo unser Pass seinen Ausreisestempel bekommen sollte. Auch hier war wieder eine Baracke, wo zwei uniformierte Soldaten auf ihre Opfer warteten. Ergash ließ mich einen Moment mit ihnen allein und sofort redeten sie von einem Problem – unser Visum sei überzogen worden und das vorgelegte Schreiben in inakzeptablen Zustand. Ich deutete auf den intakten Stempel und die Unterschrift der Polizeichefin hin, ging aber dann sofort auf die Suche nach Ergash um weiteren Problemen vorzubeugen. Nach einigen Minuten, ein paar Bestechungssüßigkeiten und einer Standpauke über das beschädigte Dokument hatten wir unseren Ausreisestempel im Pass und konnten die Grenze passieren – ein gewaltiger Stein fiel uns vom Herzen.

Es waren einige Kilometer bis zum kirgisischen Grenzposten zurückzulegen, wo wir völlig überrascht waren von den unkomplizierten Einreiseformalitäten. Nicht einmal ein Zolldokument über die Einfuhr der Motorräder gab es d.h. wir könnten diese sogar im Land lassen und selbst ausfliegen, was normalerweise nicht geht. Wir nahmen die letzten Kilometer des Pamir-Highways unter die Räder, blickten zurück auf gigantische Berge und  fuhren ab der Ortschaft Sary-Tash auf perfektem, ebenem Asphalt bis nach Osch.

Obwohl unsere Erlebnisse in Tadschikistan schrecklich waren, möchten wir das Land selbst nicht in ein falsches Licht rücken. Seine Berg- als auch die Tierwelt ist einzigartig und macht Tadschikistan zu einem sehr interessanten Reiseziel. Mit einer geführten Jeeptour sind die rauen Bergstraßen sicherlich einigermaßen komfortabel zu meistern. Wir sind dennoch froh nun im wesentlich weiter entwickelten Kirgistan zu sein und hoffentlich die nötige Ruhe zu finden um uns von den zurückliegenden Ereignissen zu erholen.

4 Gedanken zu „Flucht nach vorn

  1. 2 neue Artikel, da muss man ja bei jedem was schreiben. Schön, dass ihr „raus“ seid und ihr jetzt in Kirgis(is)tan Zeit habt etwas aufzutanken und die Erlebnisse der letzten Tage verarbeiten könnt.

    Heike auf der „faulen“ Haut,
    Moritz nach dem Visum schaut.
    Wunder gibt es immer noch –
    kriegt den Stempel ja dann doch.

    Er nimmt ein Auto und kein Rind,
    holt das Moped ganz geschwind.
    Macht nebenher nen kleinen Test:
    ist das Visum wasserfest?

    Der „Zettel“ hält – nun könnt ihr testen,
    wie reist man damit denn am besten?
    Heike, Moped und ein Guide,
    alles wird ganz fest vertäut.

    So zischt ihr weiter Richtung Osten,
    zu Moritz Bike, das darf nicht rosten.
    Schöaft mit Socken, da so kalt –
    werdet langsam halt auch alt.

    Dann nach Norden voller Mut,
    doch seid etwas auf der Hut!
    Euer Schreiben, das war nass –
    kostet euch vielleicht den Pass.

    Dürt ihr raus aus diesem Land?
    Zu Hause schaut man ganz gebannt,
    ob das Moped vorwärts geht,
    oder ist es jetzt zu spät?

    Mussten dann ja etwas schwitzen –
    sehn euch endlich vorwärts flitzen,
    bis zum nächsten Grenzerhaus:
    hier nicht rein, doch drüben raus?

    Schließlich hat es dann ein Ende:
    reist ihr weiter, ganz behände.
    Den ganzen Tag hat es gerüttelt,
    erreicht ihr Osh ganz durchgeschüttelt 🙂

  2. Willkommen in Kirgistan!! War ja richtig spannend Eure Berichte! Und dann noch das Unglück mit dem wichtigen Schreiben, manchmal kann man es kaum glauben. Aber alles gut jetzt!!! Wir freuen uns mit Euch, dass es s gut geklappt hat. Wir sind morgen auf dem Weg nach Almaty und haben Kirgistan sehr genossen. Die Strecke Osh nach Bischkek ist glatt wie ein Kinderpopo und führt durch eine wunderschöne Landschaft. Im Asia Mountains Hotel ist es wunderschön, kostet zwar 80.– Dollar, aber mit genialem Frühstück und Pool mit wunderschönem Garten. Genau das Richtige, um sich zu erholen. Vielleicht gibt es sogar einen Sonderpreiss. Gute Besserung weiterhin und viele liebe Grüße
    Heidi und Wolfgang

  3. Hei ihr 2,
    oh Mann, ich hatte nach meinem Urlaub zahlreiche Einträge nachzuholen und ich muss sagen, dass ich so froh bin, dass der Sturz doch verhältnismäßig glimpflich (auch wenn sehr schmerzhaft) ausgegangen ist! Ich wünsche euch weiterhin die schnellsten Schutzengel auf und neben der Straße!

    fühlt euch lieb gedrückt!
    Conny

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