Grenzgänge

Uns war mulmig zu Mute, als wir vor 2 Tagen das Hotel in Khorog verlassen haben. Das Motorrad war im Jeep verstaut, im Gepäck hatten wir das von der kaputten Wasserflasche gezeichnete Dokument der Polizeichefin, das uns über die Grenze bringen sollte. Zum dritten Mal fuhren wir die Strecke zwischen Khorog und Murghab, zum ersten Mal sah ich auch etwas vom Pamir. Die anderen 2 Fahrten lag ich die ganze Zeit. Unser Fahrer Ergash war sichtlich bemüht so vorsichtig wir nur möglich zu fahren – manchmal gelang ihm das sogar. Ergash ist wie das facebook von Khorog, er kennt wirklich jeden. Daher verzögerte sich die Weiterfahrt, weil alle paar Meter ein Bekannter an der Straße stand, dem Ergash noch schnell was sagen, geben etc. musste. Selbst auf dem Pamir Highway kannte er die Fahrer, die uns aus Murghab entgegekommen sind. Moritz hat sich die ganze Fahrt über rührend um mich gekümmert und Dank seiner Fürsorge und Schmerzmitteln haben wir es bis Murghab geschafft. Die Nacht war eine weitere Herausforderung: es war bitterkalt, die hatnut-Mützen waren goldwert und haben uns vor der Kälte geschützt. Am nächsten Morgen haben wir im Krankenhaus vorbeigeschaut. Dort stand Moritz Motorrad und ich hatte noch ein paar Sachen im Krankenhaus gelassen. Die Krankenschwestern haben sich vor Freude uns zu sehen fast überschlagen und auch der Arzt hat es sich nicht nehmen lassen mich abschließend zu untersuchen. Nur weil ich nicht mehr bei jeder Bewegung vor Schmerzen schreie heißt das nicht, dass man auf meinem Brustkorb rumdrücken kann wie man will. Der Kollege war etwas sehr optimistisch und musste schnell feststellen, dass es doch länger dauert bis solche Prellungen oder Rippenbrüche heilen. Ergash hat noch eine Freundin organisiert, die sowohl tadschikisch als auch kirgisisch spricht und uns bei möglich auftretenden Problemen in Kirgisistan unterstützten sollte. Mit einem Auto und Moritz auf dem Motorrad haben wir uns Richtung Kirgisistan aufgemacht. Und die Spannung ob alles klappt stieg mit jedem Meter, den wir der Grenze näher kamen. Der 4655m hohen Ak-Baital-Pass lag noch auf dem Weg, Moritz ist mit seiner BMW recht problemlos drübergekommen, der Jeep hat mehrere Anläufe gebraucht. In dieser Höhe verlieren die Motoren rapide an Leistung und jeder kleinere Hügel muss in Schrittgeschwindigkeit genommen werden. Das beruhigende in diesem Moment war, dass nicht nur ich Probleme mit der Atmung hatte, sondern auch die anderen aus dem letzten Loch gepfiffen haben. Die Straße, die vom Pass ins Tal führte war wieder nur eine rauhe Piste und so wunderte es niemand, dass wir im Tal wegen eines platten Reifens anhalten mussten. Die Tadschiken besitzen die Gabe sämtliche Probleme auf ihre eigene Weise zu lösen. So wurde das Auto mit Hilfe von Steinen aufgebockt, irgendwie kam doch der Wagenheber noch zum Einsatz und innerhalb von 25 Minuten war das Problem gelöst. Auch wenn wir im Tal angekommen waren, haben wir uns den ganzen Tag nie unter 3500m bewegt. Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass der Zaun, der sich ab einem gewissen Punkt rechts von uns entlangschlängelte der Grenzzaun zu China ist. Unglaublich, wir waren einen Katzensprung entfernt von China. Und sind den ganzen Weg über Land gekommen – ich konnte es nicht fassen. Staunend und mit der Ausschau nach Marco Polo Schafen vebrachte ich die restliche Weiterfahrt. Zu gerne hätte ich eines gesehen, leider wollte sich keines zeigen. Egal, ohne weitere Probleme sind wir an der Grenze angekommen…

Ein Gedanke zu „Grenzgänge

  1. Wikileaks (und der geglückten Ausreise) sei Dank: die Evakuierungspläne kommen nun ans Licht:

    Fährst du nah Afghanistan,
    springt dich mal der Graben an.
    Hast du Glück, bleibst recht munter,
    rutscht den Graben ein Stück runter.

    Dank Helm und Panzerlein am Rücken,
    kannst du gehen ohne Krücken.
    Schnaufen ist ein bisschen schwer,
    ohne geht es nimmermehr!

    Nette Touris gingen campen,
    konntest jeepen, musst nicht trampen.
    Die Achse, die war schon bald Schrott,
    wie kommst du zum Spital im Ort?

    Liegst du endlich unterm Strahl
    Im prä-WK1 Röntgensaal.
    Kommt der Sxxxxx jetzt ans Licht,
    weißt du wie die Rippe bricht.

    Die Organe, die sind heile,
    brauchst du Ruhe für ne Weile.
    Dank dem Schutzengel doch sehr,
    ist der Schaden nicht „zu“ schwer.

    Moritz ist ein echter Held,
    der sich jetzt ganz schön quält.
    Holt die Heike aus dem Graben,
    muss zu Bürokraten traben.

    Rennt dem Visum hinterher,
    kriegt kein Neues, danke sehr 
    Nerven euch die Bürokraten,
    geht doch mal ein Schnitzel braten 

    Mopeds bergen, Visum suchen,
    Heike pflegen, mal laut fluchen,
    Zugang legen, Flieger chartern,
    nebenher den Kopf zermartern.

    Moritz Tag ist kunterbunt,
    kommt dabei noch auf den Hund.
    Nur ne Lösung fehlt jetzt noch,
    im willkürlichen Molloch.

    Zuhause ist man brav am planen,
    hisst schon mal alle Fahnen,
    alarmiert, was nur geht,
    dass ihr nicht alleine steht:

    KSK & Spielmannszug,
    ADAC-Rückholflug,
    Blechbüchsen und Jim Knopf –
    Wir holen euch vom Pamir-Tropf!

    Lokomotive haben wir keine,
    ein Unimog macht uns Beine.
    Churchill wird wieder ausgegraben,
    hat beim Einsatz dann das Sagen.

    Packen noch ne Wulle-Kiste
    und Machete für die Piste.
    Brezeln hinten auf den Mog,
    se ankl und BB aufm Bock.

    Gibt ne Wochenendeaktion,
    sehen uns bald ja schon!
    Vom Hindukusch bei Nacht und Nebel,
    kommen wir mit Mog und Säbel.

    Holen euch mit bike and pac,
    ein gut durchdachter MedEvac!
    Und auf dem Rückweg halten wir,
    hoch und heilig versprechen’s dir:

    In Dushanbe am Parlament,
    wo Bürokratier mit Willkür pennt
    und verlieren dort im Laufen
    einen braunen Stinkehaufen.

    Dann ein Wulle an die Lippe,
    hilft gegen die gebroch’ne Rippe.
    Und die Brezel in die Backen,
    können wir gleich nochmal ******.

    Und schon geht es munter los,
    Moritz kriegt Burger in der Dos‘.
    Fröhlich, heiter, Hand in Hand,
    fahren wir ins Schwabenland.

    Hoffentlich bleibt Vieles Spaß
    Und ihr gebt bald wieder Gas.
    Moritz kommt mit Visum an –
    Auf geht’s nach Kirgisistan.

    Wenn ihr dann am Fahren seid,
    denkt daran: allzeit bereit.
    Euer Schutzengel ist gut,
    seid trotzdem etwas auf der Hut.

    Die Rettung wäre durchgeplant
    Und der Weg auch fast gebahnt.
    Lassen die Pläne lieber stecken,
    wollen keine –stans erschrecken.

    Interessant wird’s allemal,
    trefft vielleicht noch Rübezahl.
    Sind doch alle schon gespannt:
    Welchen Weg kommt ihr gerannt?

    Besucht Mongolen und auch Russen,
    schaut in Japan nach den Hussen,
    seht da was kein andrer sah,
    macht dann auch nach Kanada.

    In NYC warten sie schon,
    im großen Apfel gibt’s den Lohn.
    Spätzle nach Long Island Art
    Macht das Ende fast nicht hart.

    Darum hoffen wir das Beste,
    eurer Reise weiterer Reste
    hören sich ja super an –
    auf geht’s nach Kirgisistan.

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